Zuhören

Wenn ich Dich bitte mir zuzuhören,
und Du fängst an, mir Ratschläge zu geben,
tust Du nicht das, worum ich Dich gebeten habe.

Wenn ich Dich bitte mir zuzuhören,
und Du fängst an, mir zu erzählen,
warum ich mich nicht so zu fühlen brauche,
trampelst Du auf meinen Gefühlen herum.

Wenn ich Dich bitte mir zuzuhören,
und Du meinst, Du müsstest etwas tun,
um mein Problem zu lösen,
dann hast Du mich nicht verstanden,
auch wenn dies seltsam erscheinen mag.

Hör zu! - Worum ich Dich bat, war, mir zuzuhören –
nicht zu sprechen oder etwas zu tun
- nur: mich zu hören.

Ein Ratschlag ist nicht das worum ich Dich bat.
Den gibt es in jeder Zeitschrift und die kann ich mir selber kaufen.
So hilflos bin ich nicht.

Wenn Du mir etwas abnimmst, was ich selbst tun kann oder muß,
verstärkst Du meine Angst und Unsicherheit.

Aber: wenn Du als einfache Tatsache akzeptierst,
dass ich so fühle wie ich fühle,
egal wie irrational es erscheint,
dann brauche ich Dich von nichts mehr zu überzeugen.
Ich kann anfangen zu verstehen,
was sich hinter diesen Gefühlen verbirgt.

Und wenn das getan ist, werden die Antworten deutlich werden
- und ich brauche keinen Ratschlag.
Deshalb höre mir zu -
und sieh´ mich hinter meinen Worten.

Und falls Du von Dir erzählen möchtest,
warte einen Augenblick, bis Du an der Reihe bist
- und ich werde Dir zuhören.

(Quelle: unbek. Verfasser in der Zeitschrift "Mandorla" 1996)