Metaphern sind wie Straßenhinweise

Das Wort „Metapher“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Übertragung“. Metaphern sind also Wörter, die innere Anteile von uns in einen neuen Zusammenhang setzen können.
Ich liebe Metaphern. Denn sie machen meine Arbeit mit den Menschen viel effektiver - und interessanter.

Die Schneeflocke - nicht mehr als ein Nichts

"Sag' mir, was wiegt eine Schneeflocke?" fragt die Tannenmeise die Wildtaube."Nicht mehr als ein Nichts"gab sie zur Antwort."Dann muss ich Dir eine wundersame Geschichte erzählen", sagte die Meise:"Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien begann, nicht etwa heftig im
Sturmgebraus, nein, wie im Traum,
lautlos und ohne Schwere. Da nichts Besseres zu tun war,zählte ich die Schneeflocken, die auf die Nadeln des Astes fielen und darauf hängen blieben.Genau 2.741.953 waren es. Als die 2.741.954ste Flocke niederfiel -nicht mehr als ein Nichts - brach der Ast ab."

Damit flog die Meise davon ... Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken: "Vielleicht fehlt nur eines einzigen Menschen Stimme zum Frieden in der Welt!

(Ursprung ungekannt)
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Die Palme

Es war einmal ein Mensch, der konnte nichts Schönes und Gesundes ertragen. Als er in einer Oase einen jungen Palmbaum im schönsten Wuchs fand, nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem Lachen ging er weiter. Die Palme versuchte die Last abzuwerfen. Sie schüttelte und bog sich. Vergebens. Sie krallte sich tiefer in den Boden, bis ihre Wurzeln verborgene Wasseradern erreichten. Diese Kraft aus der Tiefe und die Sonnenglut aus der Höhe machten sie zu einer königlichen Palme, die auch den Stein hochstemmen konnte. Nach Jahren kam der Mann wieder, um sich an dem vermeintlichen Krüppelbaum zu erfreuen.

Da senkte die kräftige Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte:"Ich muß dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht."

(tunesischer Ursprung)

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Seltsamer Spazierrit

Ein Mann hatte einen Sohn, der sich nicht aus dem Haus traute, weil er sich so hässlich fand."Was werden die anderen sagen, wenn sie mich sehen", sagte er immer."Höre nicht auf die Leute", riet ihm der Vater."Du wirst sehen, sie reden und reden, und es ist doch ohne Bedeutung."Am nächsten Tag gingen die beiden gemeinsam auf den Markt.Der Alte ritt, der Sohn lief nebenher.Als sie auf dem Markt ankamen, schüttelten die Menschen über ihn den Kopf."Schaut euch nur die beiden an", sagten sie."Da sitzt der Alte gemütlich auf dem Esel und der junge Mann muss laufen.""Hörst du?", sagte der alte Mann zu seinem Sohn.

"Morgen kommen wir wieder."Am nächsten Tag gingen sie wieder zum Markt, dieses Mal aber saß der Sohn auf dem Esel und der Vater lief nebenher."Seht euch die beiden an!", riefen die Leute."Dieses ungezogene Kind lässt sich tragen, und der alte Mann schleppt sich mühsam durch den Staub.""Hast du gehört?", sagte der Vater."Morgen gehen wir wieder auf den Markt."

Am nächsten Tag gingen Vater und Sohn zu Fuß, dabei führten sie den Esel am Strick. "Schaut euch diese Dummköpfe an!", lachten die Händler. "Sie laufen zu Fuß. Wissen sie denn nicht, dass man einen Esel reitet?" "Hast du auch das gehört?", fragte der Vater. "Morgen gehen wir wieder auf den Markt." Als die beiden auf den Marktplatz kamen, saßen sie beide auf dem Esel. Die Händler schüttelten empört die Köpfe. "Das arme Tier!", riefen sie. "Haben sie denn kein Herz?" Als sie am fünften Tage auf dem Marktplatz erschienen, brachen die Menschen in schallendes Gelächter aus. Vater und Sohn trugen nämlich den Esel auf dem Rücken. "Was sind das denn für Tölpel!", lachten die Leute. "Tragen den Esel, statt ihn zu reiten!"

Zu Hause setzte sich der Vater zu seinem Sohn. "Hast du nun gehört, mein Sohn?", fragte er. "Egal, was du tust, die Menschen haben immer etwas daran auszusetzen.

Darum ist es wichtig, dass du so handelst, wie du es für richtig hältst und deinen Weg gehst."

(von F. Hebbel) 
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Jetzt reicht es aber

Nach vielen Jahren eines langen Schlafes wacht Dornröschen eines Tages auf. Doch niemand ist da, um sie zu erlösen. So schläft sie wieder ein. Jahre vergehen und Dornröschen wacht wieder auf. Sie schaut nach links und rechts, nach oben und unten, aber wieder ist niemand da - weder ein Prinz noch ein Gärtner, der sie retten will. Und so schläft sie wieder ein. Schließlich wacht sie zum dritten Mal auf. Sie öffnet ihre schönen Augen, kann aber abermals niemanden erblicken. Da sagt sie zu sich selbst: "Jetzt reicht es aber!", steht auf und sie ist erlöst.

(Norbert Mayer)

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Wie Glaubenssätze entstehen


„Das darfst du nicht“, sagte der Vater. Gläubig blicke der Kleine zu ihm auf und ließ es sein. „Dafür bist zu klein“, erklärte die Mutter. Respektvoll zog er sich zurück. „Auch dies ist nicht gut“ erzog ihn der Vater. „Und jenes nicht recht“, erzog ihn die Mutter. „Wenn große Leute sprechen, sagen Kinder nichts“, ermahnte man ihn. Also schwieg er bescheiden. „Gib dich nicht so dumm!“, rügte der Lehrer. Und der Junge ließ das Fragen. „Er ist so linkisch und gar nicht gesprächig“, langweilten sich die Mädchen. Das munterte ihn gar nicht auf.

„Sitz nicht im Hause herum!, rügte der Vater. „Was suchst du auf der Straße?“, rügte die Mutter. „Er scheint mir verklemmt“, meinte der Arzt. „Verschlossen!“, sagte der Lehrherr. „Verträumt. Was soll aus ihm werden?“ „Kann ich nicht brauchen“, urteilte der Chef. „Vergrämt mir die Kundschaft. Spricht kaum. Keinen eigenen Kopf. Fragt aber auch nichts. Seltsamer Kauz!“ „Organisch gesund!“ sagte der Arzt. „Und war so ein hübsches Kind“, flüsterten die Nachbarn. „Alles kümmerte sich um ihn: die Familie, die Schule, nichts fehlte ihm. Aber er wird mit dem Leben nicht fertig.

Die Armen Eltern!?

(Ursprung unbekannt) 
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Zwei Wölfe


Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten.
Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend."
"Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?" fragte der Junge.

"Der Wolf, den ich füttere." antwortete der Alte.

(Ursprung unbekannt) 

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Wer bist Du?

Es war einmal eine Frau, die im Koma lag. So lag sie lange. Doch dann erschien es ihr, als sei sie schon tot, als wäre sie  im Himmel und stände nun vor einem Richterstuhl. "Wer bist du?" fragte eine Stimme.
"Ich bin die Frau des Bürgermeisters" antwortete die Frau.
"Ich habe nicht gefragt, wessen Ehefrau du bist, sondern, wer du bist."
"Ich bin die Mutter von vier Kindern."
"Ich habe nicht gefragt, wessen Mutter du bist, sondern wer du bist."
"Ich bin eine Lehrerin."
"Ich habe auch nicht nach deinem Beruf gefragt, sondern wer du bist."
"Ich bin Christin."
"Ich habe nicht nach deiner Religion gefragt, sondern wer du bist."
Und so ging es immer weiter. Alles, was die Frau erwiderte, schien keine befriedigende Antwort auf die Frage "Wer bist du?" zu sein.
Irgendwann erwachte die Frau aus ihrem Koma und wurde wieder gesund. Sie beschloss nun herauszufinden, wer sie war.

Und darin lag der ganze Unterschied.


(Ursprung unbekannt) 

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Drei Embryonen

Im Bauch einer schwangeren Frau sind drei Embryonen. Einer davon ist der kleine Gläubige, einer der kleine Zweifler und einer der kleine Skeptiker.

Der kleine Zweifler fragt: Glaubt ihr eigentlich an ein Leben nach der Geburt? Der kleine Gläubige: Ja klar, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, daß wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir dann stark genug sind für das, was uns erwartet.

Der kleine Skeptiker: Blödsinn, das gibt es nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?
Der kleine Gläubige: Das weiß ich auch nicht so genau. Es wird viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen.
Der kleine Skeptiker: So ein Quatsch. Herumlaufen, das geht doch nicht. Und mit dem Mund essen, was für eine seltsame Idee. Es gibt doch nur die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das gar nicht, dass es ein Leben nach der Geburt gibt, weil die Nabelschnur schon viel zu kurz ist.
Der kleine Gläubige: Doch, es geht bestimmt. Es wird eben alles ein bisschen anders werden.
Der kleine Skeptiker: Es ist noch nie einer zurückgekommen nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben hier ist nichts als Quälerei. Und dunkel. Der kleine Gläubige: Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen.

Der kleine Skeptiker: Mutter ?!?? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist die denn bitte?
Der kleine Gläubige: Na hier, überall, um uns herum. Wir sind in ihr und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein.
Der kleine Skeptiker: Quatsch. Von einer Mutter habe ich ja noch nie etwas gemerkt, also gibt es sie auch nicht.
Der kleine Gläubige: Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wie sie unsere Welt streichelt.
Der kleine Zweifler fragt: Und wenn es also ein Leben nach der Geburt gibt, wird der kleine Skeptiker dann bestraft, weil er nicht daran geglaubt hat?
Der kleine Gläubige: Das weiß ich nicht so genau.

Vielleicht kriegt er einen Klaps, damit er die Augen aufmacht und das Leben beginnen kann."


( nach Henry Nouwen)